Jodeln – global

JODELN
JUCHZEN
JUUZEN
ZAUREN
RUGGUSSERLEN
ALMERN
WULLAZERN
JOHLEN
DUDELN
HOLLERN
JOIKEN
YODEL
YELLI
SALOMA
KĂ–LNING
KRIMANTSCHULI

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, Jodeln sei origin alpinen Ursprungs, lassen sich Jodelgesänge und -techniken auf der ganzen Welt nachweisen.

Das größte geschlossene Jodelgebiet ist der zentralafrikanische Regenwald, wo die Aka- und Baka-Pygmäen ihre komplexen Jodelgesänge singen. Die Männer stimmen sie vor der Jagd an, um mit den Geistern der Tiere in Kontakt zu treten, die sich ihnen zur VerfĂĽgung stellen werden; und die Frauen singen „Yellis“, um Babys zu beruhigen, Tiere zu entzĂĽcken (z.B. die Bienen vorm Honigsammeln, um sie zu bitten, ihnen einen Teil ihrer Nahrung zu ĂĽberlassen), Wortwechsel beizulegen und die Waldgeister gut zu stimmen.

Auch in anderen Teilen der Welt wird in rituellen Zusammenhängen gejodelt. So berichtet die kolumbianische Sängerin Lucia Pulido von einem Jodelgesang kolumbianischer Landarbeiterinnen, den sie vor der Feldarbeit singen, um böse Geister aus dem Feld zu vertreiben.
In Palästina und in Gebieten des Hohen Atlas werden  Jodelgesänge bei Hochzeitszeremonien angestimmt: beim Ankleiden der Braut, beim Rasieren des Bräutigams sowie in Erwartung der Ankunft der Ehrenwache.
Ebenfalls in Hochzeitsrituale eingebunden sind manche Krimantschuli-Gesänge in Georgien.
Auf den Solomon-Inseln und auf Hawaii wiederum jodeln die jungen Männer vor den Fenstern ihrer Angebeteten, um sie sich geneigt zu machen.

Bei den Sámi, der Urbevölkerung im ehemaligen Lappland, bekam jedes Kind als Initiationsgabe einen Joik. Joiks sind dem Jodeln entfernt verwandte Gesänge, in denen  Melodie, Text und Bedeutung miteinander verflochten sind (Ăśberreste von Wortmagie): man joikt nicht ĂśBER etwas, man joikt ETWAS – eine Person, eine Landschaft, ein Rentier, einen Wolf. Die katholischen Missionare fĂĽrchteten offenbar die Kraft dieser Gesänge so sehr, dass sie das Joiken verboten. Erst seit den 80er Jahren des 20. Jhdts. erlebt das Joiken zusammen mit der samischen Kultur insgesamt eine Renaissance.

Gejodelt wird in unterschiedlichsten Formen auch in der Mongolei, in Ă„thiopien, in Spanien, auf der japanischen Insel Hokkaido, bei den Inuit in Alaska, in Thailand und Kambodscha, in China, in Mexiko, in Patagonien und in N-Amerika.

Dass Jodeln die Sprache ist, in der Mensch und Tier miteinander kommunizieren können, stellt die schwedische Musikwissenschaftlerin Magdalena Tellenbach ins Zentrum ihrer Jodelforschung. Die grosse Menge an „Küahsuachern“ und „Kuhlockrufen“ sind nur Teil dieser „Sprach“forschung, die sich auch auf nicht-manipulative Gesprächs- resp. Jodelformen zwischen Mensch und Nicht-nur-Nutz-Tieren bezieht.

Dass ein Jodellaut der erste Ton von Babys sei, behaupten mindestens zwei Berliner Hebammen. Und auch, dass der Geburtsvorgang erleichtert würde, wenn die Gebärende jodelt.

Jodeln – ein Urlaut? Die archaischste Gesangsform? Schamanengesang? Alpine Meditation? Der Gospel unseres Kulturkreises?

Am besten, Sie probieren es aus!

Ein Grossteil der Informationen in diesem Text stammt aus dem lesenswerten Artikel von Ulrike Zöller „Der Jodler in anderen Kulturen. Honigsammeln in Niger und Fensterln in der SĂĽdsee.“ („Der Vierzeiler. Zeitschrift fĂĽr Musik, Kultur und Volksleben“, 27. Jg. Nr. 3/2007.) Eingeflossen sind auch Vorinformationen zum Berliner Workshop „Jodeln wie die Pygmäen“ (6. März 2016) mit Su Hart, die ĂĽber 20 Jahre lang immer wieder nach Kamerun in den Regenwald gereist ist und dort in die Geheimnisse des „Yelli“ eingefĂĽhrt wurde.

EINE KULTURGESCHICHTE DES JODELNS
Bayr. Rundfunk, 10. März 2015

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